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BOBS CODA

Seit letztem Jahr haben wir das Stück „Hymn to St. Cecilia“ im Programm. Ein super Stück, wirklich. Komponiert von Benjamin Britten, nach einem Gedicht von H. W. Auden. Britten war Pazifist, das Stück versteht sich in ebenjenem Sinne. Es wurde 1942 uraufgeführt.

Ein super Stück, wirklich. Aber wenn man jetzt einmal hingeht und sich den Text genauer anguckt, nun ja, dann... 

Ich habe Fragen.

In a garden shady this holy lady
With reverent cadence and subtle psalm,

Like a black swan as death came on
Poured forth her song in perfect calm:

Warum läuft die Dame im Gleichschritt? Hat sie sonst nichts zu tun? Kniet man sonst nicht eher beim Beten? Und warum wie ein schwarzer Schwan? Watscheln Schwane nicht eher? Und wenn sie das tun, tun sie es dann im Gleichschritt? Und: watscheln schwarze Schwäne eleganter als Weisse? Ist das nicht diskriminierend gegenüber allen weissen Schwänen? Hat sich H.W. Auden von Nathalie Portmann in "Black Swan" beinflussen lassen? (Gut, das wohl eher nicht). Und warum bleibt die Dame so ruhig, wenn der Tod vorbeikommt? Glaubt sie, sie kann ihn mit ihrer Ruhe beeindrucken? Oder singt sie so schön, dass er es sich anders überlegt? Ist das eine patentierte Methode? Ist das vielleicht das vierte "Heiligtum des Todes" aus Harry Potter?

And by ocean's margin this innocent virgin
Constructed an organ to enlarge her prayer,

Und woher kommt auf einmal dieser Ozeanrand her? Was ist das überhaupt, ein Ozeanrand? Sollte das nicht eher Strand heissen? Oder zumindest Küste? Coast? Eine Klippe? Geht das vom Reimschema nicht auf? Wie wär’s mit Klippe? Und gibt es auch Jungfrauen, die nicht unschuldig sind? Zum Beispiel freche Jungfrauen? Oder Jungfrauen, die jemandem ein Bein gestellt haben? Jungfrauen mit Drogenproblemen?
Und warum baut sie eine Orgel? Gäbe es da nicht günstigere Möglichkeiten? Und ist das nicht voll unpraktisch, eine Orgel an diesem Ort, gleich beim Salzwasser, dem Wind und dem eventuell vorhandenen Sand? Gibt es überhaupt eine genügend gerade Oberfläche, auf die man die Orgel bauen könnte? Hat es da Strom, um den Blasebalg zu bedienen? Oder ist jemand da, um das von Hand zu machen? Wer?
Und: Während sie die Orgel baut, geht sie da immer noch im Gleichschritt und singt und betet? Ist das nicht voll unpraktisch? Wäre es da nicht einfacher, einfach lauter zu singen?

And notes tremendous from her great engine
Thundered out on the Roman air.

Warum ist es auf einmal römische Luft? Römische Luft würde dann ja auch wieder mehr für einen Strand statt einer Klippe sprechen? Ist römische Luft besser als andere Luft? Ist italienische Luft heute römische Luft? Oder ist das mehr wie in China, wo man saubere Luft in Dosen kaufen kann? Und wenn ich die Dose öffne, bekomme ich gleich noch ein paar Töne um die Ohren geschlagen? (Klingt aber nach einer ziemlich coolen Marketingidee).

Blonde Aphrodite rose up excited,
Moved to delight by the melody,

White as an orchid she rode quite naked
In an oyster shell on top of the sea;

Hat sich H. W. Auden von Botticellis Venus inspirieren lassen? Die ist aber nicht blond-blond, sondern mehr so rotblond, oder nicht? Und „excited“ wirkt sie auf dem Bild auch nicht wirklich, nicht? Warum sollte sie es auch sein? Ist man nicht eher verwirrt, wenn man auf einmal ziemlich nackt in einer Muschel auf der Wasseroberfläche herumsurft? Und warum tut sie das überhaupt? Ist das ihr Hobby? Und warum in einer Austernschale? Wäre eine Venusmuschel nicht eher passend?
Und wie ist man bitte ziemlich nackt? Ist das so ein bisschen wie ziemlich schwanger oder ein bisschen tot? Hä? Hat sie vielleicht noch Socken an? Oder ist das wie auf Botticellis Bild, in dem die Haare und die Arme den Körper so lala bedecken? Aber die Haare werden dann doch beim Surfen weggeblasen, und die Hände braucht man zum balancieren, oder? Oder hat die Muschel so eine Art Windschutzscheibe? (Das auf Botticellis Bild ist übrigens ziemlich sicher eine Jakobs-Muschel. Und ja, ich weiss natürlich, dass der Aphrodite-Mythos besagt, dass sie die Schaumgeborene ist und aus dem Meer aufstieg. Trotzdem. Was macht diese Muschel da. Verstehe ich nicht.)

At sounds so entrancing the angels dancing
Came out of their trance into time again,

Ich dachte, die Töne der Orgel seien eher „tremendous“ denn „entrancing“? Was denn nun? Ist das auf einmal andere Musik, oder was? Und warum tanzen die Engel in Trance? Ist das so eine Art Goa-Musik, zu der man sich in die Ekstase tanzt? Und warum katapultiert sie die Trance aus der Zeit? Und warum kommen sie anschliessend wieder in die Zeit hinein? Sind sie Zeitreisende? Erklärt das, wie die gute Lady diese Orgel einfach so zackbumm hinstellen konnte? Ist das nicht ein wenig weit her geholt? (Gut, das könnte man sich jetzt bei diesem Blogpost generell fragen... machen wir einfach weiter.)

And around the wicked in Hell's abysses
The huge flame flickered and eased their pain.

Und warum sind die Verhexten in den Abgründen der Hölle? Hat die normale Hölle nicht gereicht? Sind die Verhexten sogar der Hölle zu böse? Und wer soll das jetzt der armen Anna Göldi erklären? Und woher kommt diese grosse Flamme auf einmal her? Kommen die aus der Orgel? Oder hat irgend jemand ein Feuerzeug dabei? Raucht die gute Aphrodite? Oder die Engel? (Die heilige Lady kann’s wohl kaum gewesen sein, die ist dafür sicher zu brav.)

Blessed Cecilia, appear in visions
To all musicians, appear and inspire:

Okay, dazu habe ich ausnahmsweise eigentlich nur eine Frage: Wie muss ich mir eine solche Vision vorstellen? Macht die heilige Cecilia da einen auf Muse und küsst die Musiker oder ist das mehr so eine Art Marienerscheinung?

Translated Daughter, come down and startle
Composing mortals with immortal fire. 

Was genau soll denn bitte eine übersetzte Tochter sein? Hat sie sich zu Aphrodite in die Muschel gestellt und sich auf die andere Seite des Ozeans übersetzen lassen? Oder übersetzt sie mir demnächst, was das alles hier bedeuten soll? Und woher soll sie herunterkommen? Vom Ozeanrand? Das würde dann ja wieder für die Klippe sprechen? Oder von der Muschel? Und warum soll sie komponierende Sterbliche erschrecken? Ist das nicht kontraproduktiv? Und ist dieses unsterbliche Feuer ein Ableger dieser grossen Flamme? Was ist das blos für ein Feuerzeug?

Ganz ehrlich? Ich gebe auf. Analysiert den Rest alleine. Ich wachse nicht an dieser Analyse. Ich gehe jetzt spielen.

I cannot grow, I only play.

Wer sich dafür interessiert, kann hier den ganzen Text nachlesen und hier eine wunderschöne Aufnahme von den Cambridge Singers unter der Leitung von John Rutter hören.

Aujourd'hui, c'est la fabuleuse Louise qui écrit.

J’avoue, je faisais partie de ceux qui se réjouissaient de retrouver un peu de calme et d’intimité. Comprenez-moi bien : j’adore le chœur et ses choristes. Qu’il est rare de rencontrer des personnes aussi joviales, motivées et enthousiasmantes, en tout temps (environ vingt-quatre heures moins les cinq de sommeil), quel que soit le contexte, indifféremment du nombre d’heures déjà consciencieusement consacrées à la musique ! Mais l’énergie omniprésente des autres a tendance à la longue à consumer la mienne, et samedi, lorsque nous entreprenions notre voyage de douze heures, je pensais à mes retrouvailles avec le silence.

Ce cher silence. Il me semblait que notre longue séparation appelait un tête-à-tête équitable, et j’avais déjà la certitude que je savourerais le dimanche sans un bruit, à l’écart des partitions. Pendant dix jours, je m’étais nourrie de musique ; j’allais à présent me délecter de silence. Du moins le croyais-je.

A Bâle, puis à Berne, les adieux se sont multipliés. A Viège, nous n’étions plus que quatre ; à Sion, deux ; enfin, au départ de Martigny, j’étais seule. Seule avec le silence auquel j’avais tant songé. Quelques secondes ont passé, le temps d’apprécier les paysages connus. Mais tout de suite, je l’ai ressenti : ce n’était pas du calme, c’était du vide.

J’ai d’abord pensé à toute cette compagnie que je n’allais revoir qu’en septembre. Nostalgique après quelques heures seulement. Puis, dans la foulée, c’est la musique qui s’est emparée de mes pensées et je n’ai plus pu m’en défaire. Je n’ai pas vraiment voulu, non plus. Il a fallu que j’écoute le Requiem en entier. Le lendemain, il a fallu le travailler. Puis écouter Burkhard. Réécouter Martin. Chanter Martin. Alors je me suis fait une raison et j’ai abandonné mes rêves de quiétude : la musique a bien trop d’attraits que le silence ne saurait offrir.

Vorbemerkung: Was machen fröhliche SJC-Sänger, wenn sie gerade nicht proben? Richtig. Singen. Logisch. Da man aber von keiner (armen) Schaffhauserin verlangen kann, den gesamten Text von „Chante en mon coeur“ und Ähnlichem auswendig hinzulegen, wenn man es gerade nicht geübt hat, gibt es einen Freund und Helfer in der Not: Das rote Büchlein.

(Es kostet zehn Franken, wenn man es verliert. Hab ich mir sagen lassen).

Im roten Büchlein hat es ganz viel Zeugs, das man einfach so singen kann. Chante en mon coeur ist da nur der Anfang.

Nun wurde es Zeit für ein neues rotes Büchlein – und aus, sagen wir, ökonomisch-ökologischen Überlegungen wurde beschlossen, das rote Büchlein in einen Ordner umzuwandeln. Einen roten Ordner. Irgendjemand sollte diesen grafisch gestalten. Bob hat das übernommen. Und dann hat Bob vorgestern den Inhalt ausgedruckt (unter freundlicher Mithilfe ihres Vaters, danke Papa, du bist der Beste!) – deshalb folgt nun die Transformation von Büchlein zum Ordner unter leichter Mithilfe von Ernst Jandl.

 

O Büchlein rot

I – Ordner gestalten

InDesign: Klick, klick, klick, rot, klick, Logo, klick, drehen, klick, klick, klick.
Nein.
Weiter: Klick, klick klick, tausendfach klick, klick, klick, Logo, rot, klick, weiss, klick, klick.

Schon besser.
Von vorne: Klick, klick, noch einmal weiss, drehen, klick, klick, rot, klick.

Gut so.
Design: ist fertig.

Das rote Büchlein wird zum roten Ordner.

 

II – Inhalt zusammenstellen

Kopierer: läuft. Vorlage auflegen. Seite vier, Seite eins, Seite zwei und Seite drei, umdrehen.
Fünfzig Mal ausdrucken. Nächste Vorlage. Seite vier, Seite eins, Seite zwei und Seite drei, umdrehen.

Nun drucken. Drucker: läuft. Adobe Acrobat: Vorlagen verbessern. Schon wieder nur klick, klick, klick.

Die weissen Seiten bleiben.

Das Büchlein geht, der Ordner kommt.

 

III – Seiten bearbeiten

Fünfundzwanzig mal fünfzig Seiten. 1250 Seiten. Halbieren. Nun sind es 2500 Seiten. Bloss kein Durcheinander machen. Ordnen. Den Ordnerinhalt ordnen. Den Ordner ordnen? Hauptsache kein Durcheinander machen.
Lochen. Immer wieder lochen. Tschack, tschack, tschack. 2500 Seiten lochen.
50 Sets à 50 Seiten. Ordnen. Fünfzig Mäppchen. Irgendwie transportieren. Tüte geht fast kaputt. Freude überall: Das Stück von Wolfgang Sieber (wenn man Doris fragt, von Herr Lieber, was fast noch schöner wäre), das niemand ausgedruckt hat, ist darin.

Das rote Büchlein ist nun der rote Ordner.

Jaja. Ich weiss. Ich hatte versprochen, dass noch was kommt. Morgen. Ähä. Sorry. Bob hatte ein bisschen viel zu tun.

Als Ausgleich folgt eine neue Rubrik:
"Lieder schlecht erklären".

Viel Spass beim Raten.

Gott hat das Handwerken für sich entdeckt, der Sonne ein 1 nices Baumhaus gebaut und deshalb feiert der Himmel eine Party.

Wir haben Angst, dass wir den Wecker nicht hören oder total morgenmuffelig sind, wenn Jesus Christus mal wieder vorbeikommt, deshalb muss der liebe Herre Gott uns wecken. Wie Mama früher.

Der Herr ist ein wenig verwirrt, (weil er zu viel Messwein getrunken hat) und ist sich nicht mehr ganz sicher, ob Ephrahim sein Sohn ist, oder ob es doch nicht Kevin ist. Auf jeden Fall hat er letzthin mit Ephrahim geredet, daran erinnert er sich noch.

Es geht um rote Rosen, um Leute, die beim essen weinen und ums Wandern auf breiten Wegen, bis zum Club Heaven. Der Türsteher in Form eines Engeleins will uns nicht hereinlassen, aber zum Glück haben wir eine Taschenlampe dabei.

Ganz viele kleine Mädchen tanzen auf dem Dorfplatz in der Gegend herum, dabei wollen alle wissen, wer mit wem tanzt, aber das ist gar nicht wichtig, denn die schönste ist sowieso Marion (die dumme Kuh). Deshalb sind alle verwirrt und wissen nicht wirklich, ob sie jetzt rote, weisse, blaue oder graue Kleidchen anziehen sollen.

Es handelt sich um ein ziemlich komisches Gemisch aus sehr altem Englisch und Latein, aber ich glaube, es geht irgendwie darum, dass Maria
a) ein Brunnen
b) ein blühender Garten
c) die perfekteste Mutter aller Zeiten und
d) eine Art Shiny-Pokémon ist.

Ich habe ganz viel Rhythmus, Musik, meine wahre Liebe und Gänseblümchen, deshalb bin ich wunschlos glücklich. Allerdings frage ich mich, wer meine wahre Liebe wirklich ist, und warum zur Hölle sie mich liebt. Apropos „liebt“, ich liebe den Ort Swanee. Meine Mutter betet für diesen Ort. Ich gehe für Rot, Weiss und Blau dorthin und umarme Menschen.

Früher war alles besser. Gestern zum Beispiel. Oder die Basslinie, die hier absurd schwer ist.

Enthalten sind die Stücke (die Reihenfolge stimmt nicht, ich will ja kein Spielverderber sein): Yesterday, die Himmel erzählen die Ehre Gottes, Ist nicht Ephrahim mein teurer Sohn, O lieber Herre Gott, Gershwin Potpurri, Le petit village, O Röschen rot, Hymn to the Virgin.

Der vierte Akt – Ein Ausbruch

Heute gibt es kein Gedicht
Denn: Was ich sage, reimt sich nicht.

(Frei nach Ringelnatz.)

Aber es muss gesagt werden. 

Heute wurde ich (Bob) zur Miss SJC gewählt.
(Unser lieber Jonas wurde Mr SJC, und das völlig absolut verdient, imfall.)

Heute möchte ich eine Lobrede halten.

Lieber SJC, ich liebe dich.

SJC bedeutet, dass es egal ist, was du bist.
SJC bedeutet, dass es grossartig ist, was du machst.
SJC bedeutet, dass wir uns alle lieb haben.

Lieber SJC, ich liebe dich. 

Ich weiss, dass wir uns manchmal nicht einig sind.
Das Des ist nicht hoch genug,
wir saufen alle zusammen ab.
Wir sprechen manche der t’s nicht gemeinsam ab.

Lieber SJC, ich liebe dich.

Nic und Phil sagen: „It’s work in progress.“
Wir sagen: „Tamihueresiechnomol, da schaffemer scho.
(In Bobs Dialekt)

Lieber SJC, ich liebe dich.

SJC heisst, es funktioniert.
SJC heisst, es ist einfach nur toll.
SJC heisst, es passt einfach.

Lieber SJC, ich liebe dich.
Aus ganzem Herzen.

(Morgen kommt dann schon wieder etwas Literarisch wertvolles, keine Sorge.)

Akt 3 – Der dritte Tag

Erzählerin
So kam auch schon der dritte Tag –

Altistin
Schon flach die ganze Truppe lag

Erzählerin
Doch sangen wir uns tapfer quer
Durch alle Töne hin und her

Sopran
Und heute war auch der Ausflug

Tenor
Ins Brigerbad man unser trug
Wir badeten, bis alles schlief

Bass
Danach wir all' nach Brig lief'.

Dirigent
Nun kommt, das Raclette ist schon da.

Da aber nicht nur Bob zu Wort kommen soll, möchte ich hier noch weitere Chorsänger zitieren.

(Die sich ungefragt in diesen Blog eingemischt haben ...)

Bob
Wie ist es, einen Blog zu schreiben?

Antwort von A: Ich bin nicht Bob (Punkt).

Antwort von J: Wer ist Bob (wer ist Bob?)?

Antwort von S: Bob fahr' ich i Winter.

Antwort von K: (geschriien) Im Zweier oder im Dreier.

J. errötet.

Akt 2 – Der zweite Tag

Erzählerin
Wer reitet so früh durch Tal und Wind?
Es ist der Dominique, der Tille!

Er dirigierte dereinst diesen Chor –
Und heute kam das wieder vor. 

Dirigent
Dann seh’n wir mal, wie’s klingen soll!

Alle
Auch Gospel fordern ihren Zoll...

Dirigent
Nun kommt, nun kommt, schon Mittag war’s.

Erzählerin
Jetzt geht’s ums Bild – nein, keine Farce!
Der Kikou kam, uns aufzunehmen,
Es sollten schöne Bilder werden!

Sopran
Am Nachmittag ging’s nahtlos weiter.

Tenor
Da klingt sogar Frank Martin heiter.

Bass
My soul’s been anchored in the lord?

Alt
Wir alle sind da mit an Bord.

Erzählerin
So sangen wir uns kreuz und quer
Durch alle Klänge, voll und leer. 

Alle
Mir sind etz au läär. Gömmer eis go zieh?

Akt 1 – Der erste Tag

Erzählerin
Nun ist schon bald der Tag dahin
Doch: Sind wir jetzt schon müde?

Noch nicht, noch nicht, jetzt gibt’s bald Bier!
Das ist doch keine Sünde!
 

Bass
Wir sangen viele Stücke heut’ –

Tenor
L’inverno è passato!

Alt
Und auch vom Sohne Ephraim

Sopran
Von vorne und da capo.

Dirigent
Ich hoffe sehr, ihr seid jetzt ruhig,
Die Probe geht noch weiter!

Wir wollen alles sauber jetzt!
Dann wird’s für alle leichter.
 

Alle
Ok. Chömmer etz eis go zieh?

Die Probewoche hat begonnen – Zeit für Kunst!
Hier erscheint fortlaufend die dazugehörige Komödie in sechs Akten.

Die Personae

Die Erzählerin (aka Bob)
Die Sopranistin
Die Altistin
Der Tenor
Der Bass
Der Dirigent

Doch zuerst: Der Prolog!

Erzählerin
Es kamen einst vom ganzen Land
die Chorsänger daher.
Sie gähnten noch in einem Fort,

das Aufsteh'n fiel so schwer.
Die Sänger klagten allesamt:

Alle
Der Weg ist viel zu weit!

Altistin
Nur saget mir, warum muss dies so weit von allem sein?

Erzählerin
Ach, lieber Alt, die Sonne scheint, du wirst uns wohl verzeih'n.
Nun kommet all, gesungen wird, und wir woll'n fröhlich sein.

Alle
Oder so ähnlich.

– Akt 35 –

Vernunft: «Okay, alle konzentrieren bitte. Augen, nach vorne zum Dirigenten.»

Augen: «Aber, das geht nicht. Wir wissen nicht mehr, wie das Lied angefangen hat.»

Vernunft: seufzt «Langzeitgedächtnis? Bist du da?»

Langzeitgedächtnis: «Kommt darauf an, wie du das definierst. Irgendwie bin ich mehr am 15. Mai 2013, Nachmittags, wisst ihr noch? Da waren wir in Marktoberdorf, und da haben wir auch so ein Lied gesungen, Frühlingssehnsucht von Reger –»

Melancholie: «Achja, das war superschön. Und da kamen Vögelein und schöne Harmonien vor. Total superschön.»

Vernunft: «Jaja, aber darum geht es nicht. Wie fängt dieses Lied hier an? Das, was wir JETZT GERADE singen sollen?»

Langzeitgedächtnis: «Weiss ich leider auch nicht. Musst du vielleicht mal das Kurzzeitgedächtnis fragen.»

Vernunft: mit unterdrücktem Ärger «… okay. Kurzzeitgedächtnis? Kannst du uns weiterhelfen?»

Kurzzeitgedächtnis: «Hä? Entschuldigung, ich habe gerade nicht aufgepasst. Wir hatten Ravioli zum Mittagessen, mit Tomatensosse, falls es darum geht. Die Jungs von der Verdauung meinten, es war ganz lecker.»

Vernunft: «Nein, darum –»

Ohren: «Achtung, Eilmeldung: Dirigent meinte eben, dass wir es einmal auswendig versuchen sollen. Das „sollen“ klang aber eher wie ein nett verpacktes „müssen“.»

Vernunft: «Das würde aber beinhalten, dass wir wüssten, worum es geht. WIE FÄNGT DIESES VERDAMMTE LIED AN? Weiss es irgendjemand?»

Kurzzeitgedächtnis: «Wie heisst dieses Lied denn eigentlich genau?»

Augen: «Da steht „Campana“ zuoberst auf der Partitur.»

Imagination: «Ist das nicht das, das in den Einzelstimmen so klingt, als hätte der Komponist auf Drogen völlig random irgendwelche Noten aneinandergereiht, und als er damit fertig war, klang es zufälligerweise einigermassen harmonisch und er dachte sich so „egal, ich gehe wieder ins Bett, das passt schon“?»

Langzeitgedächtnis: «Du weisst aber schon, dass das auf relativ viele Stücke zutrifft?»

Kurzzeitgedächtnis: aufgeregt «Oh, ich glaube, da fangen die Tenöre an. Und wir kommen erst auf den zweiten Takt.»

Vernunft: «Bist du sicher?»

Kurzzeitgedächtnis: «Nein. Aber die Augen melden eben, dass der Dirigent gerade den Einsatz gegeben hat.»

Stimme: «Soll ich?»

Vernunft: «Pf, was soll schon schief gehen?»

Stimme: «Okay, ich mach’s!»

Vernunft: «Das war Sarkasmus, verdammt nochmal!»

Ohren: «Aber hey, Alyson neben uns singt dasselbe.»

Vernunft: «Auf die hört ihr dann wieder!»

Alle anderen: «Ja.»

– Ende des 35 Aktes –

Hoi zämä. Willkommen beim Blog des Schweizer Jugendchors.

«Waaaas, es gibt einen Blog des Schweizer Jugendchors?!?!»

… werdet ihr euch jetzt vielleicht denken. Vielleicht auch nicht. Feel free.
Falls ihr es aber denkt, so sei euch gesagt: Ja.

Vielleicht habt ihr ja jetzt Fragen. Wir hatten die am Anfang auch. Deshalb als Anfang einige Fragen mit hoffentlich zufriedenstellender Antwort.

«Was ist denn das, ein Blog?»

Ein Blog ist so etwas Ähnliches wie ein Tagebuch. Nur öffentlich. Und im Internet.

«Und warum macht der Schweizer Jugendchor das?»

Weil es voll trendy ist und wir alle Zürcher Stadthipster sind, die ihre melancholischen Gefühle über den neusten Veganer-Chor, den du bestimmt noch nicht kennst, der Welt mitteilen müssen.

Spass beiseite, im Schweizer Jugendchor passieren ja noch ein paar Sachen mehr als einfach nur Auftritte in rot-schwarz. Mit diesem Blog möchten wir all denen, die sich für uns interessieren, ein bisschen zeigen, was so hinter den Kulissen läuft.

«Und was läuft so hinter den Kulissen?»

Ganz viel. Wir proben viel – wirklich! und auch voll effizient, ächt imfall – wir haben es zusammen lustig, wir feiern miteinander, wir haben uns alle lieb und freuen uns mit den Konzertbesuchern auf unsere Konzerte.

«Und wie sollen wir das auf diesem Blog sehen?»

Hier werden ab sofort laufend Posts aufgeschaltet. Dazu gehört ein klassisches Tagebuch mit Einträgen zu unseren Treffen, aber es wird auch kurze Porträts von „freiwilligen“ (haha) Chormitgliedern, Vorstand und Dirigenten geben. Auch kurze Stimmungseindrücke gehören dazu.

«Und wer schreibt das?»

Bob schreibt das.

Eigentlich heisst Bob nicht Bob, sondern Anna-Barbara. Aber im Schweizer Jugendchor nennen sie fast alle so, auch wenn manche nicht mehr genau wissen, warum eigentlich.
Wenn Anna-Barbara gerade nicht Bob ist, ist sie Journalistenschülerin am MAZ Luzern. Bob singt seit fünf Jahren im Chor, aktuell singt sie Alt 2.

«Und wann kommt das?»

Wenn's gut läuft, kommt jede Woche etwas neues.